Keine fromme Durchhalteparole

Wenige sind noch dabei – die Aufgaben sind größer als die Kraft der Hände. Anfänglichem Enthusiasmus folgt nüchterne Realität. Schwierigkeiten nehmen zu, es geht immer langsamer voran.

Liebe Geschwister, vielleicht entdeckt ihr Parallelen in dieser eben beschriebenen Situation, auch bei uns. In diese Situation hinein tritt im November 520 v. Chr. ein Mann und lenkt mit seinen Worten den Blick der Menschen auf eine andere Realität. Sacharja ist sein Name, im babylonischen Exil geboren, lebt er in Jerusalem. Die, die zurückgekommen sind, stehen vor dem inneren und äußeren Neuanfang, der Neuordnung des Lebens und dem Aufbau des Tempels. Nach 17 Jahren harter Arbeit sind sie müde und noch lange nicht fertig und es werden noch weitere vier Jahre vergehen bis der Tempel 516 v.Chr. wieder aufgebaut ist. Sacharja schwingt keine Durchhalteparolen, Gott gebraucht ihn als Prophet und offenbart sich und gewehrt einen Blick in die Zukunft. Auf den Plätzen Jerusalems werden Menschen von hohem Alter mit dem Stock in der Hand sitzen und Kinder sollen dort spielen.

Gott spricht: „Ich will euch erlösen, dass ihr ein Segen sein sollt. Fürchtet euch nur nicht und stärkt eure Hände“ (Monatsspruch für Dezember 09).

Er hebt den Blick aus den Schwierigkeiten der Gegenwart hin auf den endgültigen Sieg. Gott erlöst! Ursprünglich ist in der Antike damit das Freikaufen und anschließende Freilassen eines Sklaven gemeint. Das bedeutet Neuanfang, aufatmen, aufstehen, Heilung, Frieden, Freiheit,... Ja, das wirst du erleben, denn dein Erlöser ist 520 Jahre danach auf einem Esel in Jerusalem eingezogen, so wie es Sacharja im Kapitel 9,9 vorhergesagt hat.
Erlöst werden, das heißt für mich schon jetzt und hier Befreiung erfahren und in der Erlösung leben und gleichzeitig zu wissen, dass die Erlösung noch ihre Vollendung finden wird. Jerusalem diese umkämpfte Stadt mit ihrer Geschichte von Zerstörung und Wiederaufbau ist vielleicht selbst ein schönes Bild für diese Befreiung. Wenn man am Rande des Basares in das schwarze Loch einer Ausgrabungsstelle blickt und der Reiseleiter einem erklärt, dass man hier übereinander 6 Städte findet, dann bekommt man einen Eindruck davon was Zerstörung und Neuanfang für diesen Ort bedeuten. Erlösung für Jerusalem ist im doppelten Sinne zu erhoffen. Einmal der Frieden für diese Stadt mit ihren Menschen und zum anderen das Erwarten des himmlischen, des neuen Jerusalems. Erlösung heute erfahren und in Ewigkeit erleben.
Wie damals 520 v.Chr. neigen wir auch heute noch dazu auf das Unerlöste und Zerstörte zu schauen, auf das, was noch nicht in Ordnung ist und wo man keine Lösung sieht. Wir konnten in Jerusalem den Tempelberg besichtigen, allerdings nur nach einer ausführlichen Sicherheitskontrolle, wo man nach Waffen und Sprengstoff durchleuchtet wird. Dort mussten wir unsere Bibeln abgeben, um durch die Absperrung zu kommen. Es gibt noch so viel Unerlöstes, Trennendes, Unerledigtes, Zerstörtes und Trauriges.

Sacharja lenkt, nun besonders in der Weihnachtszeit, unseren Blick auf das vollkommene unaufhaltsame Siegen unseres Herrn Jesus Christus und das wünsche ich uns, dass wir das im Auge und im Herzen behalten.

Thomas Hecking

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